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Landschaftszerschneidung in Sachsen

Anthropogene Störwirkung - Methodik

Am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung wurde eine Methodik entwickelt, die es erlaubt, räumlich differenzierte Angaben zur zerschneidungs- und nutzungsbedingten, anthropogenen Störwirkung zu treffen. Dabei werden störungsarme, naturnahe Landschaftsbereiche identifiziert.

Hintergrund ist, dass es eine Vielzahl an quantitativen Methoden zur Untersuchung von Landschaftszerschneidung gibt. Dagegen besteht ein Mangel an qualitativen Verfahren, die die UZF in ihrer räumlichen Ausprägung und Qualität beschreiben oder flächendeckende, UZF-unabhängige Aussagen zur Beeinträchtigung der Landschaft durch Zerschneidungseffekte ermöglichen.

Die entwickelte Methodik kombiniert (Struktur-)Parameter der Landschaftszerschneidung mit der anthropogenen Überprägung der Landschaft (Hemerobie). Die Umsetzung erfolgt mit Hilfe von drei Verknüpfungsmatrizen:

Schema zur Berechnung der anthropogen bedingten Störwirkung
Schema zur Berechnung der anthropogen bedingten Störwirkung

Matrix 1:
Die Kombination von Flächengröße und größtem Inkreisradius eignet sich vor allem zur räumlich differenzierten Beurteilung der Zerschneidungssituation. Dabei werden die von den Zerschneidungselementen umgebenen UZF, bezüglich ihrer Betroffenheit durch Zerschneidung bewertet. Neben der Flächengröße geht dabei auch ihre Flächenform ein. Darüber hinaus findet die Beeinträchtigung der Freiräume durch Stichstraßen Beachtung.

Matrix 2:
Das Ergebnis aus Matrix 1 wird in einem zweiten Schritt mit den Hemerobiestufen des Untersuchungsgebietes verknüpft. Dies ermöglicht die qualitative Differenzierung der UZF bezüglich ihrer Beeinflussung durch den Menschen. Bereiche in den UZF werden je nach Hemerobiegrad „auf-“ oder „abgewertet“. Stark anthropogen überprägte Bereiche (z.B. großflächige Bergbaugebiete) werden folglich, trotz Ihrer Lage innerhalb großer UZF, in ihrer Wertigkeit herabgesetzt.

Matrix 3:
Mit der Einbeziehung der Barrieredichte fließen die von den Verkehrstrassen ausgehenden Wirkungen in die Bewertung ein. Die Barrierendichte bezeichnet dabei die, nach der Bedeutung der Trassen gewichtete potenzielle Belastung der UZF durch die Wirkungen von Verkehrsinfrastruktur. Je dichter ein Verkehrsnetz, desto größer ist die Barrierewirkung z.B. für Großwild. Außerdem nimmt auch der verlärmte Bereich der Landschaft mit ansteigender Dichte des Verkehrsnetzes zu. Benachbarte Bereiche von Gebieten hoher Trassendichte werden somit auch durch Lärm belastet. Die dadurch bedingte Belastung würde bei der alleinigen Betrachtung der UZF-Größe bzw. -Form und deren Hemerobie außer Acht gelassen.